Baustelle

Was ist ein Kniestock und welche Funktion hat er im Dachgeschoss?

Ein Kniestock ist der senkrechte Teil der Außenwand eines Dachgeschosses, der über der obersten Geschossdecke liegt und als Auflage für die Dachsparren dient. Er beeinflusst maßgeblich die Raumnutzung, die Wohnflächenberechnung und die Gestaltungsmöglichkeiten im Dachgeschoss. Ein gut geplanter Kniestock sorgt für mehr Kopffreiheit, zusätzliche Stellfläche und eine optimale Nutzung des Dachraums, während er gleichzeitig die statische Stabilität des Dachstuhls gewährleistet.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist ein Kniestock und was unterscheidet ihn vom Drempel?

  1. Wie wird die Kniestockhöhe geplant und berechnet?

  1. Welche Vorteile bietet ein hoher Kniestock im Dachgeschoss?

  1. Wie beeinflusst der Kniestock die Wohnflächenberechnung?

  1. Wie ist ein Kniestock konstruktiv aufgebaut?

  1. Was muss bei einer nachträglichen Kniestockerhöhung beachtet werden?

  1. Wie lässt sich der Raum am Kniestock optimal nutzen?

1. Was ist ein Kniestock und was unterscheidet ihn vom Drempel?

Ein Kniestock ist der senkrechte Teil der Außenwand eines Dachgeschosses, der oberhalb der obersten Geschossdecke liegt und als Auflagepunkt für die Dachsparren dient. Er befindet sich typischerweise an der Traufseite des Hauses und stellt eine direkte Fortsetzung der tragenden Gebäudeaußenwand dar. Umgangssprachlich wird er oft auch als „Restwand“ bezeichnet.

Im Unterschied zum Drempel – auch Trempel genannt – ist der Kniestock ein tragendes Bauteil. Während der Drempel häufig eine leichtere, nicht tragende Abseitenwand ist, die lediglich den Wohnraum vom darunterliegenden Stauraum oder der Dachschräge abgrenzt, übernimmt der Kniestock statisch relevante Aufgaben. Er trägt die Lasten der Dachkonstruktion und leitet diese kontrolliert in die darunterliegenden Geschosse ab.

Der Kniestock hat nicht nur eine statische Funktion, sondern beeinflusst auch die Raumnutzung erheblich. Mit zunehmender Höhe des Kniestocks wächst die nutzbare Wohnfläche im Dachgeschoss, da Möbel wie Betten, Schränke oder Schreibtische näher an die Außenwand gestellt werden können. Gleichzeitig erhöht sich die Kopffreiheit in den schrägen Bereichen des Dachgeschosses, wodurch die Räume deutlich großzügiger wirken.

Kniestöcke können in verschiedenen Materialien ausgeführt werden – klassisch aus Mauerwerk, als Holzkonstruktion oder aus Stahl-/Beton. In modernen Pfettendächern wird oft ein Stahlbeton-Ringanker in der obersten Reihe des Kniestocks eingebaut, um die Statik zu sichern und Zugkräfte aufzunehmen. Somit ist der Kniestock sowohl ein statisch essentielles als auch ein gestalterisches Element, das maßgeblich die Wohnqualität und die architektonische Wirkung des Dachgeschosses beeinflusst.

2. Wie wird die Kniestockhöhe geplant und berechnet?

Die Kniestockhöhe ist entscheidend für die Nutzbarkeit des Dachgeschosses. Typische Höhen liegen zwischen 40 und 80 cm, abhängig davon, wie viel Wohnraum geschaffen werden soll.

Planungs- und Berechnungsfaktoren:

  • Messung vom Boden des Dachgeschosses (Rohdecke) bis zum Auflagepunkt der Fußpfette.
  • Beachtung der Traufhöhe und rechtlicher Vorgaben im Bebauungsplan sowie der Landesbauordnung.
  • Einfluss auf die Raumhöhe und Kopffreiheit im Dachgeschoss.

3. Welche Vorteile bietet ein hoher Kniestock im Dachgeschoss?

Ein hoher Kniestock bringt zahlreiche Vorteile für die Wohnraumgestaltung:

  • Mehr Wohnfläche: Möbel lassen sich weiter an die Außenwand stellen, die Nutzfläche vergrößert sich.
  • Bessere Raumgestaltung: Mehr Kopffreiheit, großzügigeres Raumgefühl.
  • Optimierte Belichtung und Belüftung: Möglichkeit für senkrechte Fenster im Kniestock.
  • Immobilienwertsteigerung: Größere, vollwertig nutzbare Wohnfläche.

4. Wie beeinflusst der Kniestock die Wohnflächenberechnung?

Die Höhe des Kniestocks wirkt sich direkt auf die anrechenbare Wohnfläche nach der Wohnflächenverordnung (WoFIV) oder DIN 277 aus:

  • Flächen unter 1 m lichte Höhe: nicht anrechenbar
  • Flächen zwischen 1 m und 2 m: zu 50 % anrechenbar
  • Flächen über 2 m: zu 100 % anrechenbar

Ein hoher Kniestock verschiebt die Linien für 1 m und 2 m nach außen und vergrößert die voll und anteilig anrechenbare Fläche.

5. Wie ist ein Kniestock konstruktiv aufgebaut?

Der Kniestock kann aus verschiedenen Materialien bestehen:

  • Mauerwerk: klassisch und tragend
  • Stahlbeton: für zusätzliche Stabilität, oft mit Ringanker
  • Holzkonstruktion: in Pfettendächern üblich

Statische Funktionen:

  • Auflage für die Fußpfette, auf der die Sparren aufliegen
  • Aufnahme von schrägen Drucklasten und horizontalen Schubkräften

6. Was muss bei einer nachträglichen Kniestockerhöhung beachtet werden?

Eine Kniestockerhöhung ist eine genehmigungspflichtige Maßnahme und muss beim Bauamt beantragt werden:

  • Statikprüfung: Fachmännische Überprüfung der gesamten Dachkonstruktion
  • Aufwand: Oft muss das gesamte Dach abgetragen und neu aufgebaut werden
  • Alternative: Dachgauben als kostengünstige Möglichkeit, mehr Raum und Licht zu schaffen

7. Wie lässt sich der Raum am Kniestock optimal nutzen?

Der Bereich am Kniestock bietet zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten:

  • Stauraum: Einbauschränke, Kniestockregale, Drempelschränke
  • Kniestocktüren / Drempeltüren: Zugang zum dahinterliegenden Abseitenraum
  • Isolierung: Türen sollten wärmeisoliert und luftdicht sein
  • Verstecken von Leitungen: Rohre elegant in der Abseitenwand unterbringen

Ein Kniestock ist weit mehr als nur ein optisches Element im Dachgeschoss. Er beeinflusst maßgeblich die Raumnutzung, die Wohnflächenberechnung und die Gestaltungsmöglichkeiten im Dachgeschoss. Durch die richtige Planung der Kniestockhöhe und den konstruktiven Aufbau lässt sich ein Dachgeschoss effizient gestalten, die Nutzfläche maximieren und der Wohnkomfort deutlich steigern. Auch nachträgliche Veränderungen sollten sorgfältig geplant und baurechtlich abgestimmt werden, um langfristige Stabilität und Rechtssicherheit zu gewährleisten.

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